Traf der Tod das Leben

Tod: "Du siehst müde aus."
Leben: "Die Menschen ermüden mich."
Tod: "Mich auch, obwohl ich tot bin."
Leben: "Warum dich?"
Tod: "Sie haben zu viel Angst."
Leben: "Vor dir?"
Tod: "Vor dir nicht?"
Leben: "Doch, vor mir auch, bin einfach zu ungewiss
 und für jedes Schicksal bereit."
Tod: "Sie glauben, ich besuche sie bald, sie mögen mich nicht."
Leben: "Mich eher auch nicht."
Tod: "Ich verstehe die Menschen nicht."
Leben: "Ich auch nicht."
Tod: "Egal, ob man sie leben oder sterben lässt,
ganz zufrieden sind sie nie."
Leben: "Können wir etwas besser machen?"
Tod: "Ich denke nicht."
Leben: "Wo gehst du jetzt hin?"
Tod: "Ich besuche jemanden."
Leben: "Lässt du ihn sterben?"
Tod: "Ich denke, ja."
Leben: "Dann komme ich mit."

© Kamilla-Maria  Kowalski


Der weinende Mann

 Ein Mann darf nicht schwach sein,
haben sie mir gesagt.
Ein Mann darf nicht weinen,
"Habe ich euch gefragt?"
 
"Wir sind die Stimmen des Volkes!",
und sie haben gelacht.
 
"Bin ich fern der Gefühle?",
habe ich wieder gefragt.
 
Sie musterten mich und meinten,
"Du hast im Leben versagt!"
 
Ihnen den Rücken zukehrend, 
ging ich von ihnen fort.
Ihre Stimmen liefen mir nach,
verspottend mit Hohn.
 
Ich nahm all meinen Mut
und drehte mich um.
In ihren Augen sah ich nur Wut.
 
So blieb ich stehen und sagte kein Wort.
Sie schauten mich an,
und brüllten,
"Geh fort!"

© Kamilla-Maria Kowalski


Der Mensch

 Mensch, deine Unsterblichkeit ist endlich,
dein Körper dem Zerfall geweiht.
Im Handeln erschaffst du dein Vermächtnis,
tanzt im Rausch des Lebens auf hohen Podesten.
 
Dem Neid, der Gier und der Falschheit
streckst du deine Arme entgegen.
Triumphierend tanzen sie mit dir weiter,
tanzen den Tanz deines Lebens.
 
Sie flüstern dir zu, machen Versprechen.
Berauscht und beglückt von all den Gedanken,
wippst du zur Melodie ihres Verderbens,
Leid hinterlassend.
 
Doch die Stunde wird kommen,
wenn die Kräfte dir schwinden,
wird es still um dich werden,
die Melodie wird verklingen.
 
Der Neid, die Gier und die Falschheit,
deine treuen Begleiter,
sie werden verstummen
und der Tanz geht nicht weiter.
 
© Kamilla-Maria Kowalski



Die Erinnerung

 Der Schnee ist geschmolzen,
der Winter gegangen.
Die eisige Kälte hat der Wind mit sich gerissen,
und die helle Wärme gelassen.
 
Ich spüre sie an meinem Körper,
der nicht mehr vor Kälte zittert,
und genieße dieses Gefühl,
das mich an damals erinnert.
 
Die ersten Sonnenstrahlen sehe ich an diesem Tag,
sie suchen sich ihren Weg durch die Wolken,
ich blicke zum Himmel.
 
Ein leichter Wind,
der mein Haar durchstreift,
ein schwacher Sonnenstrahl,
der mein Gesicht umhüllt,
ein altes Gefühl,
das mein Herz berührt.
 
© Kamilla-Maria Kowalski
 





 


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